Beirat mit Fachbeitrag im Private Banking Magazin – Bank für Stiftungen

Lasst uns eine Bank für Stiftungen schaffen!

Berater und Dienstleister für Stiftungen gibt es in Deutschland viele. Nur passen deren Interessenlage und Angebot meist nicht vollumfänglich zu den Bedürfnissen von Stiftungen. Gerade im andauernden Niedrigzinsumfeld wird das zur Gretchenfrage. Was fehlt, ist eine Bank für Stiftungen.

Und plötzlich war die Idee geboren: „Die Lösung aller weltlichen Probleme einer Stiftung ist doch die Schaffung einer Bank für Stiftungen, einzig und allein für deren Belange“, dachte ein Stiftungsexperte während eines Kaminabends einer Netzwerkveranstaltung des dritten Sektors laut vor sich hin. Ein Strahlen schlich sich dabei in sein Gesicht. Aber alles der Reihe nach.

Es fängt mit der Natur des Geldes an. Ob es die Regentschaft über die Welt übernommen hat oder nicht, eines ist klar: Alles in unserer Welt hat mit Geld zu tun. Dabei berührt es die tagtäglichen Belange des Lebens, ganz gleich, ob durch moderne elektronische Zahlungsdienste oder klassisch durch Scheine und Münzen. Wir bedienen uns dabei eines regionalen, nationalen oder sogar globalen Bankensystems. Diese Welt der Banken wird dabei überwiegend beherrscht von Universalinstituten, die allerlei Geldgeschäfte betreiben und allen Kundengruppen anbieten. Im Normalfall stellt sich keinerlei Gefühl der Einschränkung seitens der Kunden ein.

Die viel zitierte Dekade des Niedrigzinses, diverse Reformen der EU-Harmonisierung, die Effekte von tatsächlicher und gefühlter Disruption haben jedoch bei gemeinnützigen Organisationen und insbesondere bei Stiftungen zu neuen Bedarfen geführt. Zumindest ist das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Vermögenssphäre für die Zweckverwirklichung immer mehr in den Fokus der Alltagsarbeit von Stiftungen geraten. Mit dem faktischen Wegfall eines, zumindest theoretischen, risikolosen Zinses jenseits der 4 Prozent pro Jahr sind völlig neue Existenzfragen für die Ewigkeitsgarantie von Stiftungen entstanden. Sogar der Begriff der positiven Insolvenz macht derzeit die Runde und lässt Stiftungsverantwortliche darüber nachdenken, ob man nicht besser hin zu einer Verbrauchsstiftung wechseln sollte. Schlichtweg um zu retten, was zu retten ist.

Es geht für eine zunehmende Zahl der Stiftungen um existenzielle Probleme. Auch wenn es sinnvolle Instrumente sein mögen, sind Themen wie spezielle Aktienfonds für Stiftungen, wirkungsorientierte Geldanlagen, verstärktes Fundraising oder Crowdfunding keine Weltformel für die Probleme des Stiftungswesens. Doch wer steht in solchen Zeiten an der Seite der Stiftungen, ist „Trusted Advisor“ für solch zentrale Fragen, aber auch alle anderen Themen einer Stiftung? Und vergessen wir nicht: dezentrale Lösungen erhöhen den Aufwand erheblich.

Vielleicht hilft da die Ausgangssituation: Braucht es eine Bank nur für Stiftungen? Ein klares Ja, denn die Chance einer Lösung aus der Stiftungswelt für die Stiftungswelt hatte noch nie zuvor ein solches Momentum. Und natürlich gibt es bereits Spezialinstitute für soziale, ethische und nachhaltige Belange, die aber nie den nötigen Fokus auf das Stiftungswesen mitbringen. Eine eigene Bank für Stiftungen würde helfen, das Potenzial des dritten Sektors, ergänzend zu einer politischen und gesellschaftlichen Vertretung, stark zu positionieren. Zudem hätte die direkte Vernetzung zur Wirtschaft, als potenter und ebenbürtiger Partner auf Augenhöhe, europaweite Dimensionen.

Es ist jetzt die Zeit, aufzubrechen und starke Partner, Mäzene sowie Entrepreneure zu aktivieren. Wie heißt es so schön: „Disruption is now!“ Lasst uns, lasst das Stiftungswesen agil sein und etwas Neues schaffen: eine Bank für Stiftungen.

Autor: Stefan R. Haake
Stefan R. Haake ist als Vorstand der Weltkulturstiftung in München und Beirat der PARITER|fortis mit der Welt der Stiftungen und Family Office vertraut. Der Stiftungsmanager (DSA) und diplomierte Bankbetriebswirt hat in seiner 25-jährigen Berufslaufbahn neben den Aufgaben eines Bankleiters und Prokuristen auch die Tätigkeitsfelder Nachfolgeplanung und Testamentsvollstreckung bedient. Zuletzt war Haake als Gründungs- und Interimsvorstand eines privaten Family Office tätig. Außerdem ist er Gründer des Stifter|Salon e.V.
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