Dr. A. von Neubeck mit Artikel im Magazin marktEINBLICKE

Artikel | Interview

… nachgefragt bei:

Dr. Arne Frhr. von Neubeck
Gründer & Geschäftsführender Gesellschafter von The Global Fine Art.

Das Augsburger Kunsthandelshaus möchte einen häufig intransparenten Markt transparent gestalten und setzt deswegen auf die konsequente Analyse von marktkonformen Angebotspreisen.

KUNST ALS INVESTMENT – WIE RISIKOREICH IST DIESE ASSET-KLASSE IM VERGLEICH BSPW. ZU IMMOBILIEN?

Das Jahr 2008 hat gezeigt, dass Immobilien erhebliche Probleme machen können und die Thematik Ostimmobilien in den 1990-ern vernichtete für viele Investoren Geld. Die Preise steigen derzeit stetig und niemand weiß, wie diese Entwicklung weitergeht, wann und ob sie ein Ende findet, wie sich Regionen verändern und damit die Preise. Es kommt also weniger auf den Markt an, auf dem ich mich bewege, sondern wie ich in diesem Markt agiere. Kauft man Kunst nicht zu extravagant, sondern – sinnbildlich gesprochen – Bestlagen zu vernünftigen Preisen, wird man mit Kunst wenig falsch machen. Genauso wenig wie mit Immobilien. Einen Punktsieg erreicht die Kunst im Handling: Sanierungen, Mietstreitigkeiten oder Eigentümerversammlungen entfallen. Grundsätzlich ist Kunst also als Beimischung einer breit gestreuten Asset-Allokation hervorragend einsetzbar.

WELCHE KUNST-EPOCHE IST DERZEIT AM RENDITESTÄRKSTEN? DIE KLASSISCHE MODERNE, POP-ART?

Die höchsten Bewegungen finden bei Nachkriegs- und zeitgenössischer Kunst statt und mehrheitlich werden hier die hohen Renditen erzielt. Starke Zuwächse bedeuten aber zugleich auch höheres Risiko, so dass man gut beraten ist, die Emotion aus und den Kopf einzuschalten. Man sollte also genau hinschauen, wie preislich attraktiv ein Werk ist und konsequent vergleichen.

LOHNT ES SICH IN UNBEKANNTE KÜNSTLER ZU INVESTIEREN?

Das kann sich in erheblichem Maße lohnen. Allerdings drängt sich der Vergleich mit einem Start-Up Investment auf: der frühe Einstieg birgt die Chance auf einen sehr sehr hohen Gewinn. Der Chance gegenüber steht der Totalausfall des Kapitals. Aus Sicht eines Investments sollte man sich einen solchen Kauf also gut überlegen. Nichtsdestotrotz verdienen auch unbekannte Künstler Beachtung und Würdigung. Davon lebt die Kunstwelt.

WOHER BEKOMMT MAN ALS NEULING EINE GUTE EXPERTISE FÜR KUNST-INVESTMENTS?

Es gibt eine zunehmende Zahl von Art Market Report. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte publiziert zusammen mit Art Tactic einen solchen Report, ebenso wie die Großbank UBS AG. Der Versicherer Hiscox berichtet mit einer Studie regelmäßig über den Kunst Online-Markt und auch anlässlich der Kunstmesse TEFAF werden über 100 Seiten Trends und Entwicklungen diskutiert. Hinzu kommen (kostenpflichtige) Plattformen wie artnet.de und artprice.com die die weltweiten Auktionsergebnisse zusammenführen. Mit diesen Quellen und gepaart mit Messebesuchen kommt man schon ein sehr gutes Stück voran.

MUSS MAN IN DER JÜNGEREN KUNSTGESCHICHTE BESCHEID WISSEN?

Die Kenntnis über Kunst und Kunstgeschichte hilft bei einer detaillierten Bewertung von Werken natürlich weiter. Edvard Munch hat bspw. aus seinen Lithografien durch Papierwahl, händischen Eingriff in das Werk etc. Einzelwerke gemacht. D.h. das Motiv ist vergleichbar, nicht aber die kunsthistorische Bewertung. Dies hat natürlich Auswirkungen auf den Preis. Grundsätzlich ist es aber so, dass man gerade im Segment von Drucken, Zeichnungen oder Fotografien einen guten Marktvergleich über Auktionen und Anfragen bei Galerien erstellen kann. Dabei hilft eher kaufmännischer Sachverstand als detaillierte Kenntnisse über Techniken weiter.

WAS WAR IHR PERSÖNLICH RENDITENSTÄRKSTES INVESTMENT IM KUNSTBEREICH?

Die Transparenz von Preisen ist die wichtigste Maxime unseres unternehmerischen Handelns. Etwas zugeknöpfter sind wir bei der Kommunikation von Zuwächsen. Der einzige Grund dafür: es sendet falsche Signale. Sie dürfen davon ausgehen, dass wir mit manchem Kauf in der Lage waren, kurzfristig 100 Prozent und mehr Ertrag zu erzielen. Allerdings waren das keine Wertzuwächse über Jahre, sondern sehr günstige Einkaufsgelegenheiten, die sich immer wieder ergeben, aber die bitte nicht als Standard zu verstehen sind. Wir verstehen Kunst – gekauft zu marktgerechten Preisen von bekannten Künstlern – als Wertspeicher, der langfristig Kapital sichert und Wertzuwächse generiert.

Quelle: Magazin „marktEINBLICKE“ | Ausgabe 01/2019 | Seite 60

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